Erinnerung als Auftrag: Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Cottbus
Die unten zu sehenden Namen und Gesichter stehen für die vielen Tausend Frauen, Männer und Kinder, die während des Zweiten Weltkrieges in Cottbus Zwangsarbeit leisten müssen. Sie kommen aus Polen, der Sowjetunion, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Italien, dem Baltikum und vielen anderen Ländern. Für manche endet das Leid nicht mit der Befreiung. Ehemalige sowjetische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter geraten nach ihrer Rückkehr unter Verdacht. Viele werden als vermeintliche Kollaborateure verfolgt und nicht selten in Arbeitslager verschleppt, wo ihnen Krankheit und Tod drohen.
Ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter müssen Jahrzehnte auf Entschädigung warten. Viele erleben die Zahlungen der im Jahr 2000 gegründeten Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) nicht mehr. In der deutschen Erinnerungskultur werden sie nur wenig beachtet. Auch in Cottbus gibt es bislang keinen eigenen Gedenkort für die Opfer von Zwangsarbeit im nationalsozialistischen Deutschland.

*1901, Nischni Brilew, UdSSR
Der Vater von drei Kindern lebt seit 1943 als „Ostarbeiter“ in Cottbus. Er ist im Gemeinschaftslager Süd II an der Vetschauer Straße untergebracht und arbeitet als Hilfsarbeiter bei der Deutschen Reichsbahn. © BLHA, Rep 6, Cottbus, P191

*1907, Lier, Belgien
Der Schneider Lodewijk Garcia kommt 1943 nach Cottbus und wird im Reichsbahnlager an der Vetschauer Straße untergebracht. Er arbeitet als Hilfsarbeiter im Reichsbahnausbesserungswerk und in der Eilgutabfertigung am Bahnhof. Im März 1944 kehrt er von einem Heimaturlaub in Belgien nicht mehr nach Cottbus zurück. Die Akten vermerken ihn als „flüchtigen belgischen Zivilarbeiter“. © BLHA, Rep 6, Cottbus, P1571

*1884, Odessa, UdSSR
Die 59 jährige Ukrainerin Nadeschda Schewtschenko kommt 1943 aus dem Donbass nach Cottbus. Sie lebt im Gemeinschaftslager Süd II und ist Hilfsarbeiterin bei der Deutschen Reichsbahn. Ihr Ehemann Aleksandr wird ebenfalls in Cottbus als Zwangsarbeiter eingesetzt.© BLHA, Rep 6, Cottbus, P1114

*1921, Haarlem, Niederlande
Der gelernte Apothekergehilfe Leendert Dekker muss ab 1943 für die Deutsche Reichsbahn am Cottbuser Hauptbahnhof arbeiten. Er ist im Reichsbahnlager an der Vetschauer Straße untergebracht und wird als Hilfsarbeiter in der Güterabfertigung eingesetzt. © BLHA, Rep 6, Cottbus, P172

*1906, Region Kalinin, UdSSR
Efrasinja Koslowa, Mutter von drei Kindern, ist Hilfsarbeiterin bei der Deutschen Reichsbahn in Cottbus. Sie lebt im Reichsbahnlager Vetschauer Straße. Zwei ihrer Kinder – die 1928 geborene Aleksandra und der 1939 geborene Ginadij – befinden sich ebenfalls in Cottbus. Auch Aleksandra muss Zwangsarbeit leisten. © BLHA, Rep 6, Cottbus, P552

*1928, Region Kalinin, UdSSR
Aleksandra Koslowa kommt 1944 als 16-Jährige nach Cottbus. Sie wird als Hilfsarbeiterin bei der Deutschen Reichsbahn registriert und ist ebenfalls im Lager an der Vetschauer Straße untergebracht. © BLHA, Rep 6, Cottbus, P551

*1914, Sauzet, Frankreich
Der Landwirt René Reynaud ist zunächst kriegsgefangener französischer Soldat, bevor er 1943 als ziviler Hilfsarbeiter im Bahnbetriebswerk Cottbus eingesetzt wird. Er lebt unter anderem in der Peitzer Straße und in Ströbitz „An der Werkstatt“. © BLHA, Rep 6, Cottbus, P1008

*1931, Jakowlewo, UdSSR
Die Schülerin Antonina Wassikowa kommt im November 1944 zusammen mit ihren Eltern nach Cottbus. Sie werden im Gemeinschaftslager Süd II an der Vetschauer Straße untergebracht. Wenige Tage nach ihrer Ankunft wird Antonina 13 Jahre alt. Trotzdem wird sie als Hilfsarbeiterin bei der Deutschen Reichsbahn eingesetzt.© BLHA, Rep 6, Cottbus, P1410

*1921, Drogenbos, Belgien
Der belgische Schlosser Jules De Gieter arbeitet seit 1942 mit einem Jahresvertrag bei der Bahnmeisterei 2 in Cottbus. Als Lohn erhält er 150 Reichsmark im Monat. Er lebt im Lager an der Vetschauer Straße. Urlaubs- und Reisedokumente belegen seine Heimfahrten nach Belgien – und eine nicht erfolgte Rückkehr, die von den Behörden als Flucht gewertet wird. © BLHA, Rep 6, Cottbus, P1572

*1911, Gomel, UdSSR
Der Arbeiter Grigori Korablew kommt 1943 nach Cottbus. Er ist im Gemeinschaftslager Süd II untergebracht. Seine beiden Kinder sind in Gomel geblieben Als Hilfsarbeiter steht er im Dienst der Reichsbahn. © BLHA, Rep 6, Cottbus, P539


