Züge in den Tod

Die Deutsche Reichsbahn und der Holocaust

Um seine Aussiedlungs- und Vernichtungspläne umsetzen zu können, bedient sich das nationalsozialistische Regime der Deutschen Reichsbahn. Deportiert werden neben der jüdischen Bevölkerung im Deutschen Reich und in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten auch Sinti und Roma, „Asoziale” und „Gemeinschaftsfremde”. Die Reichsbahn untersteht seit 1937 dem Verkehrsministerium und stellt Personal, Lokomotiven, Waggons, Bahnhöfe und das Schienennetz bereit. Indem sie den Transport der Deportierten sicherstellt, ist die Reichsbahn maßgeblich am Holocaust beteiligt.

Die systematische Verschleppung von Jüdinnen und Juden seit Oktober 1941 wird vom Reichssicherheitshauptamt (RSHA) geplant und beauftragt. Die Züge, mit denen die Menschen transportiert werden, verkehren außerplanmäßig. Die Reichsbahn kennzeichnet diese Sonderzüge mit dem Kürzel „Da“ für „Deutsche Aussiedler“. Es ist die interne Kennung der vom RSHA bestellten Transporte für „Juden und fremdvölkische Personen“ zum Zweck der „Aussiedlung aus dem Deutschen Reich“.

Bei der Organisation der Fahrten aus dem Deutschen Reich und den von den Deutschen besetzten Ländern in die Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager versehen zahllose Eisenbahnerinnen und Eisenbahner ihren Dienst. Etwa die Hälfte der rund sechs Millionen ermordeten Menschen wird mit der Reichsbahn deportiert.

Deportationen

Deportationen werden von der örtlichen Gestapo, der Geheimen Staatspolizei, organisiert. Vor allem in den größeren Städten müssen die jüdischen Gemeinden die Namenslisten für den Transport mit zusammenstellen. Diejenigen, die auf einer Deportationsliste stehen, werden gezwungen, eine Vermögenserklärung abzugeben. Das Eigentum der Betroffenen wird eingezogen, die zurückgelassene Wohnungseinrichtung versteigert und der Erlös dem „Reichshaushalt” zugeführt. Vor einer Deportation kommen die Betroffenen meist in Sammellager, die zum Teil mitten in der Stadt liegen. Die Menschen werden per Post benachrichtigt, wo sie sich einzufinden haben. Ihre Kennkarten, die sie immer mit sich führen müssen, erhalten den Stempel „evakuiert“. Am Tag ihrer Deportation werden die Menschen unter Polizeibegleitung zu den Abfahrtsbahnhöfen gebracht. Die Züge fahren häufig von Nebengleisen oder Güterbahnhöfen.