Cottbus in der Zeit des Nationalsozialismus – in aller Öffentlichkeit
Wie überall im Deutschen Reich sind auch in Cottbus nicht-jüdische Bürgerinnen und Bürger an der Ausgrenzung, Demütigung, Entrechtung und Enteignung jüdischer Menschen beteiligt. Ressentiments und Ablehnung schlagen mitunter in offene Gewalt um – so beim Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 oder ein Jahr später, als ein jüdischer Zeitungsverkäufer, Semmy Rosenthal, an seinem Stand auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz von mehr als zwei Dutzend Männern zusammengeschlagen wird und danach in „Schutzhaft” kommt.
Bei dem Einsatz in der Burgstrasse war damals für mich das besonders merkwürdige, dass von unseren Vorgesetzten, d. h. den Zugführern wir die Anordnung erhielten, dass das ganze Zeug, d. h. Schuhe und andere Artikel auf die Strasse hinaus befördert werden muss. Mir kam es unmittelbar zur damaligen Zeit so vor, dass wir, anstatt zu helfen, eher noch zum Vernichten von Werten eingesetzt wurden.”
Aus der Zeugenaussage von Fritz Jank, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Cottbus, während der gerichtlichen Voruntersuchung am 18. Februar 1948. Quelle: BLHA, 161 NS-Archiv ZM 0109a

In der Reichspogromnacht wird in Cottbus die Synagoge in Brand gesetzt und der jüdische Friedhof in der Dresdener Straße verwüstet. Jüdische Geschäfte werden zerstört und geplündert. Auch in Cottbus kommt es zur „Arisierung“ jüdischer Unternehmen, die seit November 1938 gesetzlich festgeschrieben ist. Die Tuchfabrik Gustav Samson, die der Familie Bum gehört, wird zur Spinnstoff GmbH. Martin Bum wird ausgebürgert und sein Vermögen beschlagnahmt. Auch kleinere jüdische Unternehmen werden zum Verkauf ihrer Geschäfte gezwungen.
Der nach den Deportationen freigewordene Wohnraum kommt der „arischen” Cottbuser Bevölkerung zugute. So soll das „Judenhaus” in der Münzstraße 42 nun an das „elektrische Lichtnetz” angeschlossen werden.

„Lassen Sie es doch brennen, es soll ja brennen.”
Kurt Willenberg zu Max Griessbach, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Cottbus, während dieser versucht, den Brand in einem jüdischen Geschäft in der Burgstraße zu löschen. Aus der Zeugenaussage von Max Griessbach während der gerichtlichen Voruntersuchung am 9. Februar 1949.
Quelle: BLHA 161 NS-Archiv ZM 0109a
„Bei der Anfahrt vor der Synagoge habe ich ein kleines, abgeschwächtes Feuer vorgefunden. Dieses kleine Feuer war am Eingang der Synagoge konzentriert, und man hätte es mit dem einfachen Strahlrohr ablöschen können. [...] Feuerwehrleute, die unter das [sic!] Kommando Willenbergs standen, waren auf dem Dach der angrenzenden Grundstücke postiert und warfen Steine in die Kuppel der Synagoge hinein, um einen Sog zu schaffen, damit das Feuer richtig brennen konnte.”
Aus der Zeugenaussage von Georg Braun, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Cottbus, während der gerichtlichen Voruntersuchung am 30. März 1948.
Quelle: BLHA 161 NS-Archiv ZM 0109a

