Zwangsarbeit im Nationalsozialismus und die Rolle der Deutschen Reichsbahn

Während des Zweiten Weltkrieges, zwischen 1939 und 1945, müssen im nationalsozialistischen Deutschland und in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten mehr als 26 Millionen Frauen, Männer und Kinder Zwangsarbeit leisten. Das NS-Regime sichert durch diese massenhafte Verschleppung und Ausbeutung sowohl die Kriegsproduktion als auch die Versorgung der deutschen Bevölkerung.

Die Zwangsarbeit wird mit Hilfe staatlicher Gewalt organisiert und durchgesetzt. Millionen Menschen werden in ihren Herkunftsgebieten registriert und in Lagern untergebracht, bevor sie mit Zügen der Deutschen Reichsbahn in die Nähe ihrer Einsatzorte transportiert werden. In Westeuropa – etwa in Belgien oder den Niederlanden – setzen die deutschen Besatzungsbehörden zunächst auf „Anwerbung“ unterstützt von Propaganda und dem Versprechen vermeintlich guter Arbeits- und Lebensbedingungen. In Osteuropa dominiert offene Gewalt: Menschen werden auf der Straße aufgegriffen, bei Razzien festgenommen oder durch mangelhafte Versorgung in die Zwangsarbeit gedrängt.

Zur Zwangsarbeit werden Kriegsgefangene, Zivilisten, Strafgefangene, KZ-Häftlinge sowie Jüdinnen und Juden herangezogen. Ihre Überlebenschancen bemessen sich am Wert, den sie für das NS-Regime haben: Während die Umstände für westeuropäische Arbeitskräfte weniger entbehrungsreich sind, müssen Menschen aus Polen, „Ostarbeiter“ aus der Sowjetunion, Jüdinnen und Juden sowie Roma und Sinti unter prekären Bedingungen leben und arbeiten. Schließlich gelten sie im Sinne der nationalsozialistischen Rassenideologie als „rassisch minderwertig“.

Frauen leiden zusätzlich unter geschlechtsspezifischer Gewalt und schlechterer Entlohnung. Wenn sie schwanger werden, droht ihnen die Zwangsabtreibung. Die Sterblichkeit unter den häufig unterernährten und kranken Kindern ist hoch.