Die jüdische Bevölkerung in Cottbus vor und nach 1933

1448 werden das erste Mal Jüdinnen und Juden in Cottbus als ansässig erwähnt. Pogrome und Ausweisungen verhindern zunächst die dauerhafte Ansiedlung jüdischer Menschen. Erst ab 1740 ermöglichen Schutzbriefe, dass sich jüdische Familien auf Dauer niederlassen. Ihre rechtliche Gleichbehandlung liegt noch in weiter Ferne. Dennoch gibt es ab 1814 einen jüdischen Begräbnisplatz in Cottbus. 1858 wird die Cottbuser Synagogengemeinde gegründet.

1933, im Jahr der nationalsozialistischen Machtübernahme, leben in Cottbus 383 Jüdinnen und Juden. Die antisemitische Politik des NS-Regimes bestimmt fortan ihr Leben: Sie werden ausgegrenzt, kriminalisiert, enteignet und Gewalt ausgesetzt. Am 1. April 1933 kommt es auch in Cottbus zum Boykott jüdischer Läden. Bis 1935 wandern unter staatlichem Druck 35 Jüdinnen und Juden aus – unter anderem nach Palästina, Südafrika und Brasilien. 41 weitere Menschen werden auf der Grundlage neuer Gesetze ausgebürgert. Viele versuchen sich zu schützen, indem sie nach Berlin oder in andere Großstädte ziehen.

„Die bereits Anfang Dezember 1936 von mir eingeleitete Überprüfung der Rassezugehörigkeit hat ergeben, daß viele Personen nicht Volljuden, wohl aber jüdische Mischlinge sind. Die Rasseprüfung ist ausserordentlich erschwert und zeitraubend dadurch, daß die Beibringung der Urkunden bis in die grosselterliche Linie trotz nachgewiesener Bemühungen bisher nur teilweise erfolgen konnte. In vielen Fällen sind die genannten Personen gezwungen, sich die Urkunden im Auslande zu beschaffen.”

Aus einem Schreiben der Ortspolizeibehörde Cottbus vom 18. Februar 1937 an die Geheime Staatspolizei in Frankfurt (Oder). Quelle: Stadtarchiv Cottbus

Im Oktober 1938 werden im Rahmen der reichsweiten „Polenaktion“ Cottbuser Jüdinnen und Juden mit polnischer Staatsbürgerschaft von einem Tag auf den anderen nach Polen abgeschoben. Auch in Cottbus wird in der Reichspogromnacht die Synagoge in Brand gesteckt, Geschäfte und der jüdische Friedhof verwüstet. 30 Juden werden während des Novemberpogroms verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Einige von ihnen überleben die Misshandlungen, denen sie dort ausgesetzt sind, nicht.

Im Juni 1939 leben noch 162 Jüdinnen und Juden in Cottbus. Neben kleineren Einzeltransporten erfolgen die Deportationen aus Cottbus in zwei Schüben: Mit dem 12. „Osttransport”, der im April 1942 in Berlin startet und in das Warschauer Ghetto führt, und mit dem Sonderzug „Da 506” im August 1942 in das Ghetto Theresienstadt. Bei Kriegsende 1945 leben in Cottbus noch zwölf Jüdinnen und Juden. Sie und ihre Kinder waren durch die Ehe mit nicht-jüdischen Menschen geschützt. Nur eine verschwindend geringe Zahl der Deportierten überlebt.