Deportation im August 1942: Der Sonderzug „Da 506“

Die zweite größere Deportation aus Cottbus findet Ende August 1942 statt. Zwölf vor allem ältere Jüdinnen und Juden aus Cottbus werden zunächst nach Frankfurt (Oder) in das Sammellager am Leipziger Platz gebracht. Am 25. August müssen sie in den aus Tilsit kommenden Sonderzug „Da 506” steigen, der nach Theresienstadt fährt. Insgesamt werden mit diesem „Alterstransport” 763 Menschen, unter ihnen 92 Jüdinnen und Juden aus dem Regierungsbezirk Frankfurt (Oder), in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Hier kommen sie, nach einer langen Fahrt in großer Hitze, am 27. August 1942 an.

Manche der Deportierten sind so geschwächt, dass sie kurz nach der Ankunft sterben. Viele derjenigen, die das Ghetto überleben, werden später in Vernichtungslager verschleppt: Im September und Oktober 1942 sind es 252 und ein Jahr später noch einmal 32 Menschen, die nach Treblinka abtransportiert werden. 1944 kommen 120 Deportierte in Auschwitz an. Nur wenige Menschen aus dem Sonderzug „Da 506” erleben das Kriegsende.

Emma Rothschild (1870 bis 1943)

Emma Bonnem kommt 1870 in Idar-Oberstein zur Welt. 1894 heiratet sie Karl Rothschild. Das Ehepaar lebt zunächst in Halle an der Saale, dann in Apolda und Dessau. Sie bekommen vier Kinder. 1930 zieht Emma Rothschild zu ihrer Tochter Gertrud Linz nach Berlin. Gertrud und ihrer Familie gelingt es, auszuwandern. Emma Rothschild lebt daraufhin bei ihrer Tochter Ilse in Cottbus.

1941 muss Emma Rothschild in das „Judenhaus” in der Roßstraße ziehen, später in die Münzstraße 42. Am 15. August 1942 erhält sie die Nachricht über ihre bevorstehende Deportation. Am 24. August wird sie wie die anderen Jüdinnen und Juden aus der Münzstraße 42 verhaftet und in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Emma Rothschild stirbt dort am 6. Februar 1943.

Georg Schlesinger (1870 bis 1942)

Georg Schlesinger lebt seit 1914 mit seiner Frau Olga und den Töchtern Helene und Josefine in Cottbus. 1917 wird er in den Ersten Weltkrieg zum deutschen Heer eingezogen. In seiner Zeit als Soldat stirbt seine ältere Tochter im Alter von 20 Jahren. Nach Kriegsende betreibt der gelernte Kaufmann bis 1926 ein Möbelhaus in der Bahnhofstraße 51, danach arbeitet er als Versicherungsvertreter. 1924 stirbt seine Frau Olga. 1930 wird Georg Schlesinger kaufmännischer Geschäftsführer der Cottbuser jüdischen Gemeinde und 1936 ihr Vorsteher.

Ab 1937 muss Georg Schlesinger immer wieder unfreiwillig umziehen: erst in die Marienstraße 19, dann in das „Judenhaus” in der Roßstraße 27 und Anfang August 1942 in die Münzstraße 42. Im April 1942 hat er erneut geheiratet, seine Hausangestellte Adele Behrendt. Am 24. August 1942 werden beide verhaftet und in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Nicht einmal einen Monat später werden Adele und Georg Schlesinger in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und ermordet.

„[...] bevor wir morgen in aller Frühe diese Stadt verlassen, möchte ich nicht verfehlen, ihnen Dank und Anerkennung auszusprechen für ihren Beistand bei den verschiedenen Umzügen, die wir ihrer Firma übertragen hatten [...]. Sie haben sich stets selbst mit eingesetzt mit Rat und Tat und haben gewissermaßen mein Interesse zu ihrem gemacht [...]. Ich darf ihnen sodann unsere besten Wünsche für Sie und die ihrigen, und auch für ihr Unternehmen aussprechen, und will ihnen so ‚Lebe wohl’ sagen.”
Georg Schlesinger in einem Abschiedsbrief an einen Cottbuser Spediteur am Vorabend seiner Deportation. Quelle: Stadtarchiv Cottbus

Johanna Blankenstein (1850 bis 1942)

Johanna Blankenstein, geb. Hirsch, ist Mutter eines Sohnes. Sie ist seit 1870 Kriegerwitwe und bekommt eine Versorgungsrente. Zu einem unbekannten Zeitpunkt zieht Johanna Blankenstein zu ihrer Schwester Amalia Bremel nach Cottbus in die Kaiser-Friedrich-Straße 10. Amalia ist ebenfalls verwitwet. Die Schwestern müssen wie die meisten Jüdinnen und Juden unter nationalsozialistischer Herrschaft mehrfach umziehen: 1937 in die Marienstraße 19 und 1940 in die Kaiserstraße 5. Dort stirbt Amalia.

Die hochbetagte Johanna Blankenstein wird schließlich im „Judenhaus” in der Münzstraße 42 untergebracht, ihrer letzten Bleibe in Cottbus. Hier wird sie am 24. August 1942 verhaftet und über Frankfurt (Oder) in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Mit ihren fast 92 Jahren ist sie die älteste Cottbuser Jüdin, die verschleppt wird. Johanna Blankenstein stirbt am 24. Oktober 1942 im Ghetto Theresienstadt.