Das Frauenzuchthaus Cottbus im Nationalsozialismus

Das Gefängnis in Cottbus ist seit 1939 Frauenzuchthaus. Es ist Teil des nationalsozialistischen Repressions- und Terrorsystems, in dem Justiz, Polizei und Gestapo eng zusammenwirken. Willkürliche Urteile und hohe Strafen sind an der Tagesordnung. Die Drohung einer anschließenden Überstellung in ein Konzentrationslager ist allgegenwärtig. Das Spektrum der inhaftierten Frauen ist groß. Unter ihnen sind Jüdinnen, Polinnen, Zeuginnen Jehovas, politische Gefangene aus Deutschland und ausländische Widerstandskämpferinnen ebenso wie als „asozial“ oder als „Gewohnheitsverbrecherinnen“Stigmatisierte, durch Kriegsverordnungen Kriminalisierte und Frauen, die wegen klassischer krimineller Delikte verurteilt worden sind.

Die Deutsche Reichsbahn trägt zum reibungslosen Betrieb des Zuchthauses bei. Frauen werden aus vielen Regionen des Deutschen Reichs und auch aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten eingewiesen. Sie müssen in Cottbus Haft- und Zwangsarbeit verrichten und werden später in andere Gefängnisse, etwa nach Leipzig, Waldheim, oder in Konzentrationslager wie Ravensbrück und das Vernichtungslager Auschwitz überstellt. Zeitzeuginnen schildern Transporte im Winter 1944/45, auf denen unterernährte Gefangene in dünner Kleidung und Holzpantinen vor der anrückenden Front in andere Haftanstalten evakuiert werden.

Der Marsch der Gefangenen vom Bahnhof Cottbus zum Frauenzuchthaus und umgekehrt findet in aller Öffentlichkeit statt. Die Frauen legen den Weg durch die Stadt unter Bewachung zu Fuß zurück.

„Die Front rückte immer näher. Unser Hausdrachen steckte einige von uns Politischen Anfang Februar 1945 […] in die schlechtesten Lumpen – mir gab sie zwei ganz ungleichmäßig abgetretene Holzpantinen – und hängte uns eine alte, zerfetzte Wolldecke um. Nur nichts von dem eigenen Kleiderbestand einer anderen Anstalt überlassen! So notdürftig gekleidet, ging es bei schärfster Kälte in diesem mir außergewöhnlich hart erscheinenden Winter 1944/45 auf Transport nach Leipzig.“

Quelle: Elfriede Paul: Ein Sprechzimmer der Roten Kapelle, Berlin (Ost) 1981, S. 176

Gisèle Guillemot (1922 bis 2013)

Gisèle Guillemot schließt sich im Sommer 1940 dem französischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung an. Sie transportiert Sprengstoff, vervielfältigt Publikationen des Widerstands und unterstützt untergetauchte Verfolgte. Nach ihrer Verhaftung im April 1943 wird sie von der Gestapo verhört und misshandelt. Ein deutsches Kriegsgericht verurteilt sie und 15 weitere Widerstandskämpfer im Sommer 1943 zum Tode. Während die 14 Männer kurz darauf hingerichtet werden, kommt Gisèle Guillemot und eine Kameradin nach Deutschland. Der Transport erfolgt mit der Deutschen Reichsbahn.

An das Frauenzuchthaus Cottbus erinnert sich Gisèle Guillemot später als „nicht so streng geführt“. Abgesehen vom quälenden Hunger sei es „nicht gerade die Hölle“ gewesen. Ihre Situation ändert sich grundlegend, als sie im November 1944 zusammen mit vielen weiteren Widerstandskämpferinnen in das Konzentrationslager Ravensbrück und im März 1945 ins Konzentrationslager Mauthausen nach Österreich deportiert wird. An beiden Orten ist sie mit Erniedrigungen, Gewalt und Terror konfrontiert. Viele ihrer Kameradinnen sterben. Schließlich kann sie im April 1945 vom Internationalen Roten Kreuz in die Schweiz evakuiert werden.

Käthe von Bassenheim (1892 bis 1942)

Käthe von Bassenheim wird im Dezember 1939 vom Landgericht Berlin wegen „gewerbsmäßiger Beihilfe zur Abtreibung“ zu drei Jahren und zwei Monaten Zuchthaus verurteilt. Sie hat Frauen gegen Provision an einen Arzt vermittelt, der illegal Abtreibungen vornimmt.

Käthe von Bassenheim ist in Berlin als Tochter jüdischer Eltern aufgewachsen. Sie macht eine Ausbildung zur Kunstfotografin. Gegen sie wird mehrmals wegen Rauschgifthandels, Ladendiebstahls und Betrugs ermittelt. Da Käthe von Bassenheim rauschgiftsüchtig ist, gilt Käthe als schuldunfähig und wird stattdessen in Entziehungsanstalten eingewiesen.

Während ihrer Haft in Cottbus wird die katholisch getaufte Käthe von Bassenheim von anderen Gefangenen getrennt untergebracht, da sie nach den „Nürnberger Gesetzen“ als „Volljüdin“ gilt. Nachdem sie ihre Zuchthausstrafe verbüßt hat, wird sie Ende Juli 1942 in polizeiliche Vorbeugehaft genommen, mit einem Gefangenensammeltransport nach Berlin überstellt und von dort nach Riga deportiert und ermordet.

Apolonia und Valeria Ksiazkiewicz (1891/1912 bis Todesjahr unbekannt)

Valeria Ksiazkiewicz und ihre Mutter Apolonia werden im März beziehungsweise Mai 1941 im Zuchthaus Cottbus in Strafhaft genommen. Die beiden Schneiderinnen teilen sich hier eine Zelle. Als Mitglieder des polnischen Widerstands gegen die deutsche Besatzungsmacht werden Valeria Ksiazkiewicz zu fünf, ihre Mutter zu vier Jahren Zuchthaus wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und wegen Beihilfe zur Nichtablieferung von Waffen“ verurteilt. Nach einem Aufenthalt im Frauengefängnis Berlin müssen sie ihre Zuchthausstrafe in Cottbus antreten.

Am 24. Juni 1943 werden beide – zusammen mit der jüdischen Gefangenen Henriette Krauss – als „Asoziale“ in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Valeria Ksiazkiewicz kommt später von dort in das Konzentrationslager Ravensbrück und überlebt den Krieg. Das Schicksal ihrer Mutter ist unbekannt, vermutlich ist sie in Auschwitz ums Leben gekommen.

Margaretha (Gretha) Rothe 1919 bis 1945

Margaretha Rothe kommt im November 1944 zusammen mit acht anderen Hamburgerinnen in Untersuchungshaft nach Cottbus. Hinter ihr liegen fast zwölf Monate Einzelhaft bei der Gestapo in Hamburg. Die Medizinstudentin gehört einem Freundeskreis an, der das nationalsozialistische Regime ablehnt.

Die neun Frauen warten im Frauenzuchthaus Cottbus auf ihren Prozess vor dem Volksgerichtshof und müssen währenddessen Haftarbeit verrichten. Im Februar 1945 werden sie über Leipzig nach Bayreuth verlegt, wo Truppen der US Army sie schließlich befreien – mit Ausnahme von Margaretha Rothe. Ihr Gesundheitszustand hat sich in Leipzig so stark verschlechtert, dass sie transportunfähig ist. Die Haft und wahrscheinlich auch die Bedingungen während des Transports von Cottbus nach Leipzig haben ihre Gesundheit zerstört. Margaretha Rothe berichtet in einem Brief über den Transport mit der Reichsbahn: „Transport im Viehwagen nach Leipzig normalerweise eine Fahrt von 4 Stunden, ausgedehnt zu 24 Stunden […]“. In Leipzig wird eine offene Tuberkulose diagnostiziert. Margaretha Rothe stirbt dort am 15. April 1945.